Feeds:
Artikel
Kommentare

Rund zwei Jahre war ich in Frankfurt als Existenzgründungsberaterin tätig und habe arbeitslosen Gründungsinteressierten dabei geholfen, einen stimmigen Business Plan inkl. Kalkulationen zu erarbeiten. Natürlich habe ich mich oft gefragt, was aus all den Leuten geworden ist, die bei mir in der Beratung waren und auch eine so genannte Tragfähigkeitsbescheinigung – die Grundlage für einen Gründungszuschuss – von mir ausgestellt bekamen.

Heute hatte ich die Freude, von einer Gründer-Erfolgsgeschichte zu hören, und noch dazu von meinem ersten Existenzgründer. Er war mehrere Jahre arbeitslos und zuletzt auf Arbeitslosengeld II angewiesen gewesen, als er sich im Frühjahr 2006 entschloss, seine jahrzehntelangen persönlichen Erfahrungen mit Kleingärten und die handwerklichen Fähigkeiten in einen Rund-ums-Haus-Dienstleistungs-Service einzubringen.

Anfänglich war mein ehemaliger Klient weiterhin auf ergänzende Leistungen seines Jobcenters, des Trägers des Arbeitslosengeldes II, angewiesen. Es war ihm peinlich, dass seine Umsatz- und Ertragskalkulationen aus dem Business Plan nicht 1:1 aufgingen. Außerdem schien es mir nach dem, was ich vor einem Jahr zuletzt von ihm gehört hatte, dass er in Gefahr war, sich in allzu beliebigen Aufträgen zu verlieren, bei denen Umsatz und betriebliche Kosten in ausgesprochen magerem Verhältnis standen.

Heute stand mir jedoch ein Mann gegenüber, der nach Abzug seiner betrieblichen Kosten aktuell monatliche Gewinne vor Steuern in Höhe von 3.000 Euro erwirtschaftet. Und auch für den nächsten Winter ist vorgesorgt. Selbst wenn das gute Geschäft mit den Gartenarbeiten und dem Verlegen von Rollrasen dann nicht mehr funktioniert, wartet schon wieder der Vertreter der großen Parfümerie-Kette mit seinen Aufträgen auf den Existenzgründer. Er wird dann – zum zweiten Mal – für das Aufstellen und Dekorieren von Weihnachtsbäumen in zahlreichen Filialen im Rhein-Main-Gebiet sorgen.  

Hartz IV, das Gruselwort für die Familien der deutschen Mittelschicht, kann hier seinen Schrecken verlieren. Ein ehemaliger Hilfeempfänger hat es nach zwei Jahren geschafft, sich selbst und seine Lebensgefährtin in solide finanzielle Gewässer zu bringen. Mit Mut, Beharrungsvermögen und gepaarten Kräften.

Karinamo

In der aktuellen Ausgabe des Magazin FOCUS vom 30.06.08 geht es mal nicht um China, „die Ex“ oder darum, Barack Obama auf Herz und Nieren abzuklopfen. Es geht um ein Thema, das sonst mit Psychologen, Therapeuten oder Coaches besprochen wird. „Ganz Ich. Die erfolgreiche Suche nach der inneren Mitte“. Ich bin überrascht, dass das, was ich oft als „Psychokram“ abgetan sah und hörte, nun anscheinend wirklich im Mainstream angekommen ist.

„Ganz ich zu sein, macht glücklich und gesund. Doch wie findet man zur Authentizität“, heißt einer der Beiträge in dem Magazin-Schwerpunkt. Beim Lesen musste ich schmunzeln. An allen Ecken und Enden stoße ich seit etwa 2 Wochen auf das große Thema „Selbstakzeptanz“. Zuletzt auch im Interview mit Angelina Jolie, als sie über die Figur der Tigerin in dem neuen Film „KungFu Panda“ berichtet (Posting vom 23.6.). Wohl wissend, welche Riesenherausforderung Selbstakzeptanz für mich sein kann, habe ich auf meine Ziele-Liste für den nächsten Monat auch dieses aufgenommen.

- Einmal pro Woche vollständige Selbstakzeptanz spüren.

Klingt das zu bescheiden? Nein, ich glaube, das ist schon eine Fortgeschrittenen-Leistung.

Karinamo

 

Ach, wie habe ich gestern mitgeschrien in der 2. spannenden Hälfte des EM-Halbfinalspiels Deutschland gegen die Türkei! Wunderbar das Kopfball-Tor von Miroslav Klose und schließlich das Ganz-kurz-vor-Schluss-Tor von Philipp Lahm. Wer hätte gedacht, dass die deutsche Mannschaft die in dieser EM so beispielhaft vorexerzierte Tugend der Türken, bis zur allerletzten Minute dran zu bleiben und nicht zu verzagen, auch noch annehmen würde! Wohl gelaunt und beschwingt machte ich mich nach diesem Spiel und einigen Fachsimpeleien an meinem Kneipen-Tisch schließlich auf den fünfminütigen Heimweg.

Als ich dann an einer Straßenecke vier Männer mit dunkleren Hautfarben vor mir stehen sah, dachte ich mir nur, da werde ich zu dieser Tageszeit jetzt mal ganz unauffällig vorbei gehen. Von wegen! Die Herren sprachen mich an. Kaum hatte ich mich versehen, hatte ich schon die eine Hand geschüttelt, die sich mir entgegenstreckte. Ich wurde beglückwünscht, als Deutsche beglückwünscht für den Erfolg der deutschen Elf. Und noch einmal Händeschütteln, und dieser Mann versicherte mir auch noch in gebrochenem Deutsch, er sei nicht aus der Türkei. Respekt und Anerkennung bei allen vier Männern, und dies gegenüber einer deutschen Frau!

Kurz vor meinem Mietshaus kam ich an der polnischen Eckkneipe vorbei. Wiewohl ich dort bislang noch nie Gast war, kenne ich den einen Mann aus dem Betreiber-Team vom Grüßen. Kaum hatte er mich erspät, lächelte er mir mit nach oben gerichteten Daumen entgegen. Auch ich hob meinen Daumen, stolz und irgendwie glücklich. Gleichzeitig überrascht über all diese positiven Reaktionen der ausländischen Mitbürger über den Sieg der deutschen Nationalelf.

Als ich allerdings hörte, wie einer der Männer vor der polnischen Kneipe murmelte, ich könne mal einen ausgeben, zog ich schleunigst weiter – und meinte nur im Weggehen, schaun wir mal, was am Sonntag passiert.

Ja, da dürfen wir wirklich gespannt sein!

Karinamo

 

Heute las ich in „Welt Kompakt“ ein Interview mit Angelina Jolie. Sie sprach über den Trickfilm „Kung Fu Panda“, in dem sie einer Tigerin die Stimme verleiht. Wenn man Angelina Jolie glauben darf, hat dieser Trickfilm eine weise Botschaft: „Akzeptiere Dich als das, was du bist. Wenn Du Dich verändern willst, dann mache das ruhig. Aber mach es so, dass du du selbst bleibst. Versuche nicht, jemand anders zu werden. Das funktioniert nicht“.

Eine schlichte, große Botschaft ist das. Und absolut knifflig in der Umsetzung – um die Herausforderungen wahrer Selbstakzeptanz einmal freundlich zu beschreiben…!

Sich annehmen, auch im Kläglichsein, im Neidischsein, in der Unzulänglichkeit, etc. – das ist das wahre Heldentum und die einzig dauerhafte Rettung für das eigene Seelenheil, der Weg nach vorne.

„Kung Fu Panda“. Ich werde mir den Titel merken und schauen, wie ich mich von der Tigerin inspirieren lassen kann.

Karinamo

In vielen Seminaren habe ich Schillerndes, Faszinierendes oder einfach Interessantes über Psyche und Bewusstsein von Menschen erfahren. Auch Büchern verdanke ich viele Einsichten und Aha-Erlebnisse.

Doch die markantesten Einsichten zu Erfolgsstoppern und Erfolgskatalysatoren verdanke ich in diesem Jahr den letzten 3 Fußballspielen, die ich gesehen habe. Drei EM-
Spiele in gerade mal 5 Tagen…!

Das Spiel „Deutschland gegen Kroatien“ am letzten Donnerstag empfand ich wie so viele andere Zuschauer als kaum auszuhalten bzw. anzuschauen. Warum? Sicherlich wegen der eigenen Betroffenheit, weil doch fast jeder von uns eine derartige Abwärts-Spirale kennt, wenn ein Start oder Neuanfang nicht recht gelingt, dann die Zuversicht schwindet, nichts mehr zu klappen scheint und die Zuversicht immer weiter in den Keller rutscht – obwohl Können und Erfahrung eigentlich reichlich vorhanden wären.

Ein Alptraum und ein Abgrund, wenn die Abwärtsspirale schier endlos erscheint. Umso inspirierender empfand ich am Sonntag das außergewöhnliche Spiel der Türken gegen Tschechien. „Das war meisterhaft“, meinte am Montag ein Mann zu seiner Begleiterin an meiner S-Bahn-Station. In der Tat erfordert die Leistung, drei Tore in den letzten 15 Minuten vor dem Abpfiff zu schießen, ein meisterliches Vertrauen und Durchhaltevermögen. Einfach nicht aufgeben, selbst in der Nachspielzeit noch ein Tor zu schießen, das zeugt von einem aufrechten und leidenschaftlichen Geist, der mich absolut beeindruckt.

Denn es geht auch anders, wie man gestern beim jüngsten Spiel der Deutschen gegen Österreich gesehen hat. Der ganz kurz vor Schluss eingewechselte Neuville sah sich schwuppsdiwupps in der Nachspielzeit in einer schnellen Welle, die ihn erstaunlich leicht aufs Tor zutrieb. Zu leicht anscheinend, denn Neuville zögerte. Pfeil und Bogen in seinem Inneren wurden unscharf ausgerichtet, und der Ball ging daneben.

An was glauben wir, frage ich mich hier. Glauben wir daran, dass ein Tor oder überhaupt Erfolg im Leben hart erkämpft sein muss oder schwimmen wir einfach mit der Welle mit, wenn diese uns auf das Tor zutreibt und gewissermaßen zuruft: Jetzt, ist Deine Chance. Pack zu!

Ich sehe diese Bilder vor meinen Augen. Diese EM ist für mich wie ein Seminar, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Karinamo

 

Die Liste der teilnehmenden Firmen liest sich wie das „Who is Who der deutschen Wirtschaft“: Nicht nur dass 24 von 30 DAX-Unternehmen bei dem Mega-Event vertreten waren – unter den insgesamt rund 2.600 Firmen, die heute beim Chase Corporate Challenge Lauf 2008 in Frankfurt teilnahmen, gab es darüber hinaus noch jede Menge innovativer Mittelständler, engagierter Kommunen und sonstiger Institutionen!

„Mit STEELE zum Ziel“ oder „Lieber Kondition als Inflation“ lauteten die selbstbewussten Slogans auf den Rückseiten der Firmen-T-Shirts. Insgesamt knapp 74.000 Läuferinnen und Läufer gingen in Deutschlands kleinster Metropole an den Start. Anscheinend bringt selbst der New York Marathon nicht so viele Menschen auf die Beine!

Woran liegt die Faszination? Sicherlich nicht allein an dem 5,6 km langen Lauf durch die Innenstadt, der bei dieser Masse an Menschen im großen Mittelfeld immer wieder zum Stauerlebnis führt. Schon eher an dem Gruppenerlebnis im Team und vor allem auch an der großartigen Feierkulisse hinterher.

Dieses Jahr war der halbe Grünburg-Park im Frankfurter Westend übersät von den Festzelten der teilnehmenden Firmen. Ob einfache Grillspeisen oder verfeinertes Buffet, die Firmen ließen sich den Gruppeneinsatz ihrer Mannschaften etwas kosten. Und ab und zu waren auch die Klänge einer Band zu hören.

Welche Firma macht sich wie stark für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – und kann sich das auch finanziell leisten?  Die Festzelte im Grüneburgpark waren hier ein spannender Gradmesser.

Karinamo

La joie de vivre

Die Sonne hat uns in den letzten Wochen tatsächlich richtig verwöhnt. Bei derartig mediterranen Verhältnissen ist es relativ einfach, das Leben von der leichten Seite zu nehmen. Und doch spiegeln bei weitem nicht alle Gesichter im öffentlichen Raum so eine Freiheit von Leistungsdruck und Sorgen.

Anders bei zwei Menschen, die mir heute an unterschiedlichen Orten hier in Frankfurt begegneten: Da fragte der eine ältere Mann an der S-Bahn-Station „Galluswarte“ seinen Kollegen, wie es ihm denn gehe. Beide Männer waren bei der Arbeit. Der junge Mann, klein von Gestalt, gerade dabei, mit seinem Arbeitsgerät etwas Müll in Papierform vom Bahnsteig zu entfernen, antwortete mit einem strahlenden Lächeln: „Mir geht es immer gut“.

Keine Frage, er war in diesem Moment absolut glaubwürdig, auch wenn wahrscheinlich die wenigsten von uns spontan mit seinem Job tauschen wollten. Aber vielleicht mit seinem Innenleben!

Ein paar Stunden später gönnte ich mir zur Mittagszeit einen schnellen Chai Tea Latte bei Starbucks. Diesmal nicht in meiner Stamm-Filiale, sondern auf der belebten Fressgass. Hier erwartete mich eine ältere Dame, vielleicht in den 50ern, die im Kreis der sonst ziemlich jugendlichen Starbucks-Theken-Mitarbeiter herausstach. Allerdings stach sie vor allem auch durch ihre Lebendigkeit heraus. Eigentlich sah sie so aus, als wollte sie neben ihren Verrichtungen gerade mal singen und tanzen, so wie eine Tanzpartnerin von Fred Astaire in einem alten Musical.  Gute Laune pur!

Zwei unterschiedliche Menschen mit ungebremster Lebensfreude trotz Niedriglohn. Für mich die Inspiration des Tages! Und ein Geschenk für alle, die trotz finanzieller Privilegien nach Zufriedenheit in ihrem Leben suchen.

Karinamo

- Salto patriotale -

Geschafft! Wie gut, dass wir dieses Einstands-Spiel am Sonntag gegen die Polen hinter uns gebracht haben. Nun gibt es endlich wieder Hoffnung auf ein paar Saltos bei den noch anstehenden EM-Fußballspielen. Miroslav Klose oder Miro, wie ich ihn innerlich immer nenne, kann nun mit Fug und Recht das schlechte Gewissen im deutsch-polnischen Herzen verabschieden und seine Stürmer-Stärken voll ausspielen.

Denn am Sonntag war es ja wieder dasselbe Thema wie bei der WM vor 2 Jahren: Trauen sich Podolski und Klose ausgerechnet den Polen Tore reinzusetzen? Lukas Podolski ließ den Erfolg zwar nicht lange anbrennen, aber wer so ernst aussieht beim Torerfolg wie andere bei einer Beerdigung, hat mindestens zwei Seelen in seiner Brust.

Miro dagegen war engagiert und hielt sich gleichzeitig zurück, so dass er im entscheidenden Moment eine Torvorlage für Podolski erstolpern konnte. Ist ja alles schön und gut, nur zu einem Freuden-Salto à la Miro sind wir in der Konstellation nicht gekommen. Es wird Zeit für das nächste Spiel.

Ich bestelle schon jetzt beim EM-Ober Jogi Löw mindestens ein Tor im Spiel gegen Kroatien mit Torschütze Miro samt Jubel-Salto.

Übrigens: Ich bin eigentlich gar kein Fußball-Fan. Aber seit unserer Sommermärchen-WM 2006 werde ich bei diesen Fussball-Highlights immer zur leidenschaftlichen Patriotin. Umso besser, dass die deutsche Nationalelf doch einige internationale Farbtupfer aufweist. Sagen wir mal, Deutschland hat nicht nur Präzisionsarbeit, sondern eben auch ein großes Herz, und hat daher Platz für viele Talente.  

Karinamo

 

Kaffeesatz lesen

Wie oft ziehen wir uns den Schuh an, wir müssten anderen Menschen bei der Erreichung eines ganz bestimmten Zieles helfen, weil sonst Unglück über sie käme?! Ja, wir meinen es dann ernst und wollen nur das Beste. … und übersehen dabei, dass wir gar nicht allwissend sind.

Letze Woche wurde ich daran erinnert, wie ich mich vor einigen Jahren einmal grämte, als der befristete Arbeitsvertrag einer Kollegin auslief und es mir, der damaligen Teamleiterin, nicht gelang – ebenso wenig wie unserer Abteilungsleiterin – eine Vertragsverlängerung für die Kollegin zu bewirken. Ich war damals überzeugt, dass ich unbedingt zu handeln hätte, damit die Betroffene ihren Job behalten könnte. Nur das Handeln brachte kein Ergebnis, und in meiner damaligen Ergebnisorientiertheit fühlte ich mich  als partielle Versagerin.

Um so froher war ich, als ich wenige Wochen später der Ex-Kollegin von einer inoffiziellen Stellenausschreibung berichten konnte. Es ging um die Geschäftsführung für einen Verein. Gerne nahm sie die Information auf und reichte ihre Bewerbung ein. Die Stelle hat sie damals nicht bekommen, die ging an einen älteren Herren. Tja, ungerecht, könnte man sagen, und einfach typisch. Der ältere Herr wurde später ihr Chef, denn sie erhielt die Chance, sich für eine Mitarbeiter-Stelle zu bewerben.

Als ich sie später in der neuen Funktion an ihrem Arbeitsplatz sprach, klang eine sehr lebendige, zufriedene Stimme durchs Telefon. Es schien, dass die ehemalige Kollegin einen guten Platz gefunden hatte. Und das wurde mir bestätigt, als ich in der vergangenen Woche wieder von ihr hörte. Seit nunmehr über 4 Jahren ist sie für ihren jetzigen Arbeitgeber tätig. Den Ex-Arbeitgeber scheint sie bis auf die allererste Übergangszeit nie vermisst zu haben. Wer hätte das gedacht … ich am wenigsten! Sonst hätte ich mir damals nicht so einen Kopf gemacht.

Ja, das kommt von dem Anspruch „allwissend“ sein zu wollen… !
Auch diese Geschichte ist daher ein glaubhaftes Plädoyer für Vertrauen ins Leben und in die Vielfalt der Entfaltungswege.

Karinamo

 

Heute bin ich nach 13 Jahren zum ersten Mal mal wieder getrampt. Nun ja, die Mitnahmestrecke betrug nur etwa 1 km. Aber vom Ergebnis her brachte mich die nette Autofahrerin entscheidend weiter. Oder sollte ich besser sagen, ich selber brachte mich mit einer Entschlossenheit in der Problemlösung weiter, die mich selbst überraschte?!

Als geübte ÖPNV-Nutzerin ohne eigenen PKW war ich frohen Mutes mit der S-Bahn von Frankfurt in den Taunus aufgebrochen, genauer gesagt nach Bad Soden. Schönes Städtchen, dachte ich mir, sehr schönes Städtchen, nur der Bus, in den ich eingestiegen war, fuhr in die entgegengesetzte Richtung als erwartet, und dann sah ich mangels weiterer Fahrplankenntnis nur die Möglichkeit, die lange Hauptstraße entlangzuwandern.

Rasch, allzu rasch vergingen die Minuten, und schon war es 14 Uhr, der eigentliche Beginn meines Termins. Mir dämmerte, dass die Haus-Nummer 165 per pedes wohl nicht so schnell zu erreichen sein würde – zumal die Häuser sich auszudünnen begannen und die Straße unter der sommerlichen Mittagshitze stark anzusteigen begann.

Da auch der Blick auf eine Busplan-Tafel nur Chancenlosigkeit ergab, begann ich mir zu überlegen, welche Alternativen ich noch hätte, wollte ich nicht erst in 20 Minuten schweißgebadet bei meinem Termin ankommen.

Mich abholen zu lassen bzw. darum zu bitten, abgeholt zu werden, erschien mir angesichts der absoluten Neuheit des Kontaktes unpassend. Also blieb die Alternative „per Anhalter durch die Galaxis“.

Zögernd reckte ich den Daumen raus, eigentlich erst, als der erste Wagen an mir vorbei war. Klar, so waren die Erfolgschancen eher gering. Inneres Sammeln … und eine neue Runde. Nach ca. 4 Minuten war es dann so weit: Ein Auto hielt an und ließ mich, die Tramperin mit Perlenkette und schwarzer Business-Hose, einsteigen. Als ich meine kleine Geschichte erzählte, reagierte die Autofahrerin ausgesprochen bestärkend. Das sei doch prima, dass ich es versucht hätte.

Ja, ich war hinterher auch richtig energetisiert und verspürte große Freude darüber, mich nach dem ersten Startschwierigkeiten aktiv und kreativ für mein Ziel eingesetzt zu haben. Später am Tag lieferte ich mir dann selbst noch weitere Kostproben dieses Engagements. Es war ein spannendes Gefühl: Starke Entschlossenheit bei relativer Gelassenheit. Pokern und Loslassen zugleich. Ich glaube, ich habe eine neue Seite an mir entdeckt oder eine, der ich länger schon nicht mehr begegnet war.

Karinamo

« Neuere Artikel - Ältere Artikel »