Rolltreppe abwärts? Sind wir Normal-Bürger tatsächlich auf der Rolltreppe abwärts? Kann uns das Gefolge der Finanzkrise tatsächlich nur eisigen Wind in Form von Rezession und Verlust von Wohlstand bringen?
Der Blick auf die Medienberichterstattung legt tatsächlich in fast allen Fällen ein JA auf diese Fragen nahe. Schlucken…! Und doch gibt es Ausnahmen, große und kleine.
Am Wochenende hörte ich von einer guten Freundin, wie schlecht die Stimmung in der Dresdner Bank aussieht, die ja nun mittlerweile zur Commerzbank gehört. Von neuen Rezepten für neue Zeiten ist hier noch kaum die Rede. Vielmehr herrschen anscheinend Angst und in deren Bugwelle Druck auf die Mitarbeiter, die quantitativen Leistungsziele besser zu erfüllen. Tja, in der Haut dieser Commerzbank- und Dreba-Mitarbeiter möchte ich eigentlich nicht stecken.
Schon eher möchte ich Mitarbeiterin der GLS-Bank sein, einer Art Orchideen-Bank, die im letzten Jahr zum ersten Mal die Schallmarke von 1 Milliarde Euro Billanzsumme überschritten hat. In diesem Geldhaus, das sich der antroposophischen Geisteshaltung verpflichtet sieht, werden ethisch-ökologische Geldanlagen vermittelt, wobei die Zinssätze nicht am oberen, sonderen eher am unteren Marktlevel liegen.
Doch wie mir eine andere Freundin berichtete, ist die Stimmung in dieser Bank derzeit sehr gut. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise hat die GLS-Bank eine deutliche Belebung ihres Neukundengeschäftes erlebt. Anscheinend gibt es inzwischen mehr Menschen, für die die Höhe des Zinssatzes nicht mehr das dominierende Entscheidungskriterium ist. Sicherheit mag ein anderes wichtiges Kriterium sein und hat den Sparkassen Ende letzten Jahres einiges an Mittelzufluss gebracht. Darüber hinaus ist es aber der Wunsch nach Sinn, der Menschen bewegt und motiviert. Und ethisch-ökologische Geldanlagen bieten in vielerlei Hinsicht mehr Sinn als rein renditeorientierte Investments.
Sinn und Hoffnung gibt uns in diesen Tagen auch die Amtseinführung von Barack Obama. Sein Start im Weißen Haus erhöht zwar nicht meinen Kontostand, verschafft mir aber Freude und Zuversicht und macht mich somit irgendwie reicher. Ich als „alte“ Obama-Anhängerin, die seine Wahl schon letzten Mai mit Blick auf seine Lebensgeschichte für quasi logisch hielt (Posting „Unwiderstehlich“ vom 4.6.08), war von seinem Wahlsieg im November nicht mehr sonderlich überrascht. Doch jetzt, wo Woche 1 seiner Präsidentschaft angebrochen ist, freue ich mich über die neuen inspirierenden Impulse aus Washington, freue mich, dass es gestern nicht nur Promi-Bälle für Barack Obama gegeben hat, sondern bewusst auch einfache Bürger Zutritt erhielten und mit ihrem Präsidenten feiern konnten.
Ich hoffe, es gibt noch viel zu feiern in nächster Zeit.
Karinamo