Ach, wie habe ich gestern mitgeschrien in der 2. spannenden Hälfte des EM-Halbfinalspiels Deutschland gegen die Türkei! Wunderbar das Kopfball-Tor von Miroslav Klose und schließlich das Ganz-kurz-vor-Schluss-Tor von Philipp Lahm. Wer hätte gedacht, dass die deutsche Mannschaft die in dieser EM so beispielhaft vorexerzierte Tugend der Türken, bis zur allerletzten Minute dran zu bleiben und nicht zu verzagen, auch noch annehmen würde! Wohl gelaunt und beschwingt machte ich mich nach diesem Spiel und einigen Fachsimpeleien an meinem Kneipen-Tisch schließlich auf den fünfminütigen Heimweg.
Als ich dann an einer Straßenecke vier Männer mit dunkleren Hautfarben vor mir stehen sah, dachte ich mir nur, da werde ich zu dieser Tageszeit jetzt mal ganz unauffällig vorbei gehen. Von wegen! Die Herren sprachen mich an. Kaum hatte ich mich versehen, hatte ich schon die eine Hand geschüttelt, die sich mir entgegenstreckte. Ich wurde beglückwünscht, als Deutsche beglückwünscht für den Erfolg der deutschen Elf. Und noch einmal Händeschütteln, und dieser Mann versicherte mir auch noch in gebrochenem Deutsch, er sei nicht aus der Türkei. Respekt und Anerkennung bei allen vier Männern, und dies gegenüber einer deutschen Frau!
Kurz vor meinem Mietshaus kam ich an der polnischen Eckkneipe vorbei. Wiewohl ich dort bislang noch nie Gast war, kenne ich den einen Mann aus dem Betreiber-Team vom Grüßen. Kaum hatte er mich erspät, lächelte er mir mit nach oben gerichteten Daumen entgegen. Auch ich hob meinen Daumen, stolz und irgendwie glücklich. Gleichzeitig überrascht über all diese positiven Reaktionen der ausländischen Mitbürger über den Sieg der deutschen Nationalelf.
Als ich allerdings hörte, wie einer der Männer vor der polnischen Kneipe murmelte, ich könne mal einen ausgeben, zog ich schleunigst weiter – und meinte nur im Weggehen, schaun wir mal, was am Sonntag passiert.
Ja, da dürfen wir wirklich gespannt sein!
Karinamo