Afrika regt in der Regel das schlechte Gewissen der Europäer an, weil es dem Kontinent und insb. dem Schwarzen Afrika immer noch schlecht geht, allen Schuldenerlassen und Entwicklungshilfezahlungen zum Trotz. Um so wohltuender habe ich die Begegnung mit dem African University Choir aus Mutare in Zimbabwe empfunden, der gestern seine Konzert-Tournee in Frankfurt abschloss.
Die Idee für eine Pan-Afrikanische Universität, an der exzellente Nachwuchskräfte aus allen afrikanischen Ländern ausgebildet werden sollen, zum Wohle ihrer Länder und ihrer Kirchen, ist 110 Jahre alt. Sie wuchs im Schoß der Internationalen Evangelisch-Methodistischen Kirche, bis es 1992 endlich so weit war: 40 junge Frauen und Männer nahmen auf dem Campus außerhalb von Mutare ihr Studium auf.
Heute, nach mehr als 15 Jahren, werden rund 1.300 Studierende an 6 Fakultäten und 2 Instituten ausgebildet. Allein in dem 16-köpfigen Chor sind 8 afrikanische Nationen vertreten, gesungen wird in mehreren afrikanischen Sprachen, aber immer mit demselben Temperament und derselben Leidenschaft für Glauben und Gemeinschaft, die es vermag, auch deutsche Besucher, die der Kirchen müde sind, mitzureißen.
Heute Abend werden die Chormitglieder wieder nach Zimbabwe zurückkehren, in das Land, das aktuell wegen der politischen Krise nach den Wahlen vom März und der Lebensmittelknappheit von sich reden macht. Der Campus der African University ist in diesem Land, dessen lang andauernde und sich immer noch verschärfende Krise 1992 nicht abzusehen war, aktuell eine Insel des Friedens und Wohlstandes. Der Vorlesungsbetrieb geht weiter, die Versorgung der Studierenden ist gesichert, nicht zuletzt wegen der Lebensmittelproduktion auf der hochschuleigenen Farm. Und abgesehen von der materiellen Versorgung geht von den Studierenden an der African University ein Spirit aus, den Zimbabwe gut brauchen kann, der Glaube an eine glückliche Zukunft.
Ich wünschte, es gäbe im Südlichen Afrika noch mehr African Universities, ob nun unter dem Dach der Evangelisch-Methodistischen Kirche oder gefördert durch andere nonkonfessionelle Organisationen. Ganz Afrika könnte davon profitieren, von dem Nachwuchs, der sich selbst stark macht und die eigenen Länder stückweise herausholen könnte aus der finanziellen Abhängigkeit von den Industrieländern. Bono hätte dann zwar weniger zu tun, aber er könnte dann zum Beispiel auf Konzert-Tour mit dem African University Choir gehen!
Karinamo