Der Präsidentsschafts-Vorwahlkampf in den USA macht wieder von sich reden, nachdem er einige Wochen aus den hiesigen Schlagzeilen verschwunden schien. Gerade rechtzeitig bekam ich das Buch „Hopes and Dreams. The Story of Barack Obama“, das ich in der Stadtbücherei vorbestellt hatte.
Ich habe diesen Bildband mit wachsender Begeisterung verschlungen. Wow, was für eine Geschichte! Ja, seine Kandidatur hat tatsächlich Logik, wenn man seine Lebensgeschichte im Detail anschaut. Er wirkt gut vorbereitet, von seinem Charisma mal ganz abgesehen. Er war nicht nur 3 Jahre lang Community Organizer und hat wie ein moderierender Sozialarbeiter absolut an der Basis gearbeitet, sondern danach auch einen vorzüglichen Abschluss an der Harvard Law School hingelegt und als Senator für den Bundesstaat Illinois parteiübergreifend wegweisende Gesetzesinitiativen vorangebracht.
Was mich aber fast noch mehr beeindruckt, ist die Kausalkette zwischen innerer und äußerer Entwicklung bzw. äußerem Erfolg, die man aus dem Leben von Obama ablesen kann. Denn als Jugendlicher war Barack Obama einer, der mit der Polarität seiner Existenz, mit der großen Kluft zwischen mütterlichem und väterlichem Erbe haderte. Er umgab sich eine gewisse Zeit lang mit anderen farbigen Jugendlichen, die sich selbst als gesellschaftlich diskriminiert, als Underdogs empfanden.
Bereits zu Ende seiner Kindheit war Obama klar, dass er auf der Suche nach einer Identität war. Als Schwarzer in den USA – wie konnte er da leben? Einen Vater gab es für ihn als Orientierungshilfe und praktisches Vorbild nicht, denn Vater Obama war nach der kurzen Ehe mit der weißen Amerikanerin Ann bald wieder nach Kenia zurückgekehrt, um dort als promovierter Akademiker am Aufbau seines Landes mitzuwirken.
Nach Begegnungen mit Haschisch und den üblichen Genuss-Stoffen am College und einigem innerem Ringen kam Obama schließlich an den Punkt, wo er eine Integration seiner persönlichen Wurzeln vollzog. Er schrieb später, dass nur ein Mangel an Vorstellungskraft ihn auf den Gedanken gebracht hatte, dass er zwischen schwarz und weiß, zwischen der Welt seines Vaters und der seiner Mutter wählen müsste. Vielmehr sei beides Teil von ihm.
Diese persönliche Integration hat meiner Ansicht nach die wesentliche Voraussetzung für seine späteren Erfolge geschaffen und dafür, dass er vielleicht tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten wird. Was für ein Glück für Amerika und den Rest der Welt, wenn der US-Präsident, der so genannte mächtigste Mensch der Welt, im Frieden mit seiner Herkunft wäre!
Karinamo