Seit 1993, dem Zeitpunkt einer zweiwöchigen Reise, fühle ich dem Land Zimbabwe verbunden. Und seit damals habe ich Kontakt zu meinem Freund Thomas Dhliwayo, der damals noch ein sehr schmächtiger 14-jähriger Teenager war.
Aus dem Teenager von damals ist ein junger Mann geworden, mittlerweile 28 Jahre alt, der bereits über ein Jahrzehnt lang Verantwortung für die Versorgung der verwitweten Mutter und der jüngeren Geschwister samt verwaisten Kindern aus der großen Verwandtschaft übernommen hat. So schwer die Zeiten in dem von Robert Mugabe seit der Unabhängigkeit regierten Land auch geworden sind – Thomas hat immer wieder Lösungen gefunden, auch wenn es um seine eigene Ausbildung und einen Universitätsabschluss ging.
Doch nun ist Thomas am Ende seiner Weisheit und der finanziellen Möglichkeit. In Zimbabwe, dem Land mit der höchsten Inflationsrate weltweit, steht das Leben in gewisser Weise seit den Präsidentschaftswahlen im März still. Das Wahlergebnis wurde wochenlang nicht bekannt gegeben, dann hieß es der wichtigste Oppositionskandidat habe knapp die absolute Mehrheit verfehlt und müsse in einer Stichwahl gegen Präsident Mugabe antreten.
Die politische Lähmung hat auch die wirtschaftliche Lage noch weiter verschärft. Nicht nur, dass die Arbeitslosenquote weiterhin bei gut 80% liegt, aus den Läden verschwinden immer mehr die Waren, und das was übrig bleibt, ist horrende teuer, selbst für unsere Verhältnisse.
In dieser Situation, wo mein Freund Thomas erstmals von der Möglichkeit des „Verhungerns“ spricht („it’s close to starvation) , fällt es mir schwer, ruhig zu bleiben und keinen panischen Unterstützungs-Aktionismus zu entfalten. Denn grundsätzlich weiß ich ja, dass es einen besseren Weg gibt, den Weg des Möglichen und Machbaren, ohne die dröhnende Stimme im Hinterkopf, die da mahnt: „Du MUSST etwas tun!“
Und tatsächlich gibt es Ansätze für Hilfe, die vergleichsweise leicht erscheinen. Einer Freundin von mir, an die sich Thomas in seiner Not per e-Mail gewendet hatte, lief ein Veranstaltungshinweis über den Weg: Konzert des Chors der „African University“ aus Mutare / Zimbabwe am kommenden Wochenende in Friedrichsdorf bei Frankfurt. Und auch in Frankfurt selber wird der Chor, wie wir später erfahren haben, ein letztes Konzert vor dem Rückflug nach Zimbabwe geben.
Dieser Chor und seine Mitglieder scheinen plötzlich eine grundsätzliche Möglichkeit zu bieten, Thomas und den 9 Kindern und jungen Erwachsenen die so dringend erbetenen Kleiderspenden bzw. auch Schreibwaren für die Schule zukommen zu lassen. Denn noch letzten Dezember hatte ich Thomas geschrieben, dass eine Kiste mit Kleiderspenden, etc. auf dem Postweg einfach nicht zu finanzieren sei.
Jetzt haben die Freundin und ich die Hoffnung, dass wir den Chormitgliedern jeweils ein Stück zusätzliches Handgepäck in Form einer Kleidertüte mitgeben können oder dass Lufthansa, die Airline mit der die Chormitglieder zurückreisen, uns eine Umzugskiste voller Kleider umsonst transportieren wird.
Es bleibt zwar nicht viel Zeit, aber ich bin dennoch in dieser Sache zuversichtlich, dass es klappen kann. Zum einen weil die Freundin und ich als Team unsere Ideen und Energien bündeln, zum anderen weil ich vorhin noch eine Freundin bei Lufthansa angerufen habe und sie zugesagt hat, sich nach Möglichkeiten eines kostenfreien Transportes von Kleiderspenden zu erkundigen.
Hier steht ein „das kann klappen“ im Raum. Sicherlich ein gesünderer Nährboden für Erfolg als der innere Drängler: „Du musst etwas tun“! Und das gilt im Fall der Unterstützung von Thomas genauso wie für alle anderen Ziele.
Karinamo