Was gibt es eigentlich spannenderes als Kommunikation und das Verstehen ihrer Wirkungsmechanismen und Erfolgsgeheimnisse? Immer wieder werde ich darauf gestoßen, dass die Forschungsergebnisse von Alfred Mehrabian aus den 80er Jahren zu den Wirkungsanteilen erfolgreicher Kommmunikation absolute Praxisrelevanz besitzen.
Mehrabian untersuchte damals, warum manchen Rednern, obwohl sie die Wahrheit sagen, kein Glauben geschenkt wird. Zu diesem Zweck unterteilte er die Aspekte der Kommunikation in drei Ebenen und ermittelte deren Wirkungsanteile.
- Visuelle Kommunikation (Körpersprache, Mimik, etc.) : 55%
- Paraverbale Kommunikation (Stimmlicher Ausdruck, „wie“ etwas gesprochen wird): 38%
- Verbale Kommunikation („was“ gesprochen wird): 7%
7% für die verbale Kommunikation! Das ist insbesondere für Akademiker aus den westlichen Kulturkreisen immer wieder eine harte Nuss, da in den herkömmlichen Schul- und Hochschulsystemen bis vor kurzem ein klarer Schwerpunkt auf das „was“ der Kommunikation gelegt wurde.
Und auch Politiker und Politikerinnen müssen sich die Relevanz der Ergebnisse aus der Kommunikationsforschung vor Augen halten. In einem Video-Clip auf der Internet-Plattform von Yahoo wurde am Montag ein Vergleich der Körpersprache der aktuellen drei US-Präsidentschaftskandidaten, angestellt von Soziologen, vorgestellt. Hillary Clinton, so wurde anschaulich gezeigt, entspricht gerade auch in ihrer Körpersprache immer wieder der Vorstellung von ihr als Karrierefrau aus dem Polit-Establishment. Vor allem wenn sie auf ihren Kontrahenten, Barack Obama, zu sprechen kommt, gestikuliert sie mit erhobenem, ausgestrecktem Zeigefinger. Diese Geste wirkt scharf und abgehackt, während Obama eher mit weichen Bewegungen beobachtet wird. Wenn er etwas unterstreichen möchte, beugt er oft den Zeigefinger nach innen oder hält seine beiden Hände so, als wolle er einen Ball halten.
In dem Clip wurde von den untersuchenden Soziologen betont, dass die Wählerschaft oft nur sehr wenig über die jeweiligen Programme der Kandidaten informiert sei. Die Körpersprache bzw. die visuelle Kommunikation sei daher von großer Bedeutung. In Ex-post-Untersuchungen hätten Testpersonen die tatsächlichen Wahlsieger, die ihnen nicht bekannt waren, mehrheitlich aus der Betrachtung der Photos der Kandidaten erkannt.
Erstaunlich, dass die „Sieger“ in der Regel anhand von Photo-Vergleichen der Kandidaten erkannt werden können. Ich finde das sehr bemerkenswert, wenn auch Alfred Mehrabian wahrscheinlich weniger erstaunt gewesen wäre. Nach seinen Forschungsarbeiten hätte er eigentlich auch Politik- und Wahlkampfberater werden können.
Karinamo